Belgisches Treuemarkensystem und Schlechtwettermarken

Unternehmen, die Mitarbeiter zur Ausführung von Bauarbeiten nach Belgien entsenden, sollten auch unbedingt das sog. Treuemarkensystem in Belgien beachten.

Bei den Treuemarken handelt es sich um die Auszahlung einer jährlichen Prämie durch den belgischen Existenzsicherungsfonds an die in Belgien tätigen Bauarbeiter. Durch die Zahlung dieser Prämie sollen die Arbeiter dafür gewürdigt werden, dass sie ihre Arbeitskraft in die belgische Baubranche stecken. Dieses System wiederum finanziert sich durch die Verpflichtung der Arbeitgeber, einen bestimmten Beitrag an den Existenzsicherungsfonds zu bezahlen.

Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen kann jedoch eine Befreiung von dieser Verpflichtung bestehen.

Das Treuemarkensystem in Belgien ist von den sog. Schlechtwettermarken zu unterscheiden.

Weitere Informationen und Kontaktangaben finden Sie hier: Treuemarkensystem Belgien

 

 

Wie werden Mitarbeiter bei Entsendung nach Belgien besteuert?

Sie entsenden Personal nach Belgien und fragen sich, ob Sie in Belgien die Lohnsteuer abführen müssen?

Sofern Ihr Mitarbeiter seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat, ist er gemäß dem deutschen Einkommensteuergesetz in Deutschland unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig. D. h. alle in- und ausländischen Einkünfte des Mitarbeiters unterliegen der Einkommensteuer (sog. „Welteinkunftsprinzip“).

Das sog. „Quellen- oder Territorialitätsprinzip“ ist aber ebenfalls zu beachten. Danach knüpft fast jeder Staat an die Tatsache der Tätigkeit im Staatsgebiet das Recht zur Besteuerung der für die Tätigkeit erhaltenen Einkünfte.

Konsequenz wäre also im Falle einer Entsendung nach Deutschland eine Mehrfachbesteuerung – nämlich in Deutschland und in Belgien.

Aufgrund eines Übereinkommens zwischen der BRD und Belgien behält Deutschland allerdings allein das Besteuerungsrecht für den auf die Tätigkeit in Belgien entfallenden Arbeitslohn, wenn folgende Voraussetzungen jeweils erfüllt sind:

  • deutscher Arbeitnehmer ist max. 183 Tage /Kalenderjahr in Belgien tätig,
  • Vergütung wird nicht von belgischer Betriebsstätte des deutschen Unternehmers getragen (sog. Betriebsstättenvorbehalt) und
  • Vergütung wird von einem Arbeitgeber oder für einen Arbeitgeber bezahlt, der nicht in Belgien als dem Tätigkeitsstaat ansässig ist.

Liegen die vorgenannten Voraussetzungen nicht vor, so ist die Lohnsteuer in Belgien als dem Tätigkeitsstaat abzuführen.

Bei längerfristiger Tätigkeit in Belgien sollte eine Lohnabrechnung nach belgischem Recht erstellt werden.

Mitarbeiterentsendung nach Belgien

Sie beabsichtigen, zwecks Durchführung eines Bau- oder Montageauftrags in Belgien vorübergehend Personal nach Belgien zu entsenden?

Eine der vier Grundfreiheiten innerhalb der Europäischen Union ist zwar der freie Dienstleistungsverkehr.

Trotzdem sind vor der Erbringung von Bau- und Montagetätigkeiten im Nachbarland Belgien einige Meldepflichten zu berücksichtigen.

Im Folgenden stelle ich Ihnen die zu beachtenden Meldeformalitäten dar:

  1. Limosa

Alle Mitarbeiter, die vorübergehend nach Belgien entsandt werden sollen, müssen vor Einsatzbeginn bei der zuständigen Behörde in Belgien registriert werden. Nach der erfolgreichen Meldung der Mitarbeiterentsendung ist der sog. „LIMOSA“-Meldenachweis während des Einsatzes in Belgien mitzuführen und im Falle einer Kontrolle vorzuzeigen. Benötigt wird von jedem Mitarbeiter weiterhin die Kopie der aktuellen A1-Bescheinigung.

  1. Umsatzsteuerliche Registrierung

Grundstücksbezogene Leistungen sind in Belgien grds. steuerpflichtig.

Sofern der Leistungserbringer Steuerschuldner ist, muss er sich in Belgien umsatzsteuerlich registrieren lassen und in seiner Rechnung mit 21% Mehrwertsteuer (Normalsteuersatz) ausweisen. Die Beantragung einer belgischen Umsatzsteuernummer dauert in der Regel ± 3 Wochen.

Die Steuerschuld wird aber auf den Leistungsempfänger übertragen, wenn es sich bei diesem um ein belgisches Unternehmen oder ein ausländisches Unternehmen handelt, das im Rahmen einer Fiskalvertretung eine belgische Umsatzsteueridentifikationsnummer besitzt. Im Falle dieser Verlagerung der Umsatzsteuerschuldnerschaft ist die umsatzsteuerliche Registrierung des Leistungserbringers in Belgien daher grds. nicht notwendig.

  1. Vertragsmeldung zur Sozialversicherung

Bau- und Montageunternehmen sind dazu verpflichtet, bei Erbringen von grundstücksbezogenen Leistungen in Belgien ab einem Auftragswert von € 30.000 netto (bei Einsatz Subunternehmer ab € 5.000,00) eine Vertragsmeldung vorzunehmen.

  1. Berufsspezifischer Qualifikationsnachweis

Bei reglementierten Berufen ist die Erbringung eines berufsspezifischen Qualifikationsnachweises durch Diplom/Meisterbrief oder EU-Bescheinigung notwendig.

  1. Anwesenheitsregistrierung

Bei grundstücksbezogenen Bauleistungen über einen Gesamtbetrag von min. € 500.000,00 netto ist grds. eine tägliche Anwesenheitsregistrierung der Arbeitnehmer erforderlich.

  1. ConstruBadge

Persönliches visuelles Identifizierungsmittel für jeden Bauarbeiter. Nähere Informationen finden Sie hier: http://www.construbadge.be/